Marzahn: Krautrock aus Moskau
Nach Auftritten bei den Festivals Forma, Richterfest und Bol' bringt die Moskauer Band Marzahn ihre experimentelle Musik nach Berlin.
"Betonwüste", "Berliner Bronx", "Hier leben nur Arbeitslose, Nazis und Russen". Das sind die Klischees, die man oft über Marzahn hört. Tatsächlich leben in diesem Bezirk im Osten Berlins die meisten Menschen in Plattenbau-Siedlungen, die in den 70er und 80er Jahren in der DDR gebaut wurden. Betrachtet man aber die Fakten, hat Marzahn im Vergleich zum trendigen Friedrichshain-Kreuzberg eine niedrigere Kriminalitätsrate und eine höhere Anzahl von Kindern, die Gymnasien besuchen. Unter Architekt_innen und Urbanist_innen ist Marzahn ein Symbol für eine erfolgreiche Renovierungsstrategie der Wohnviertel.

Fakten überwinden nicht immer die etablierte Stereotypen. Und so geht der Ruf über Marzahn bereits über die Grenzen Deutschlands hinaus und inspiriert das experimentelle Duo Pawel Pakhomov und Nina Frolova, die Plattenbau-Ästhetik neu zu überdenken. Ihre Musik ist von mehr als dem Namen geprägt und repräsentiert eine Mischung aus griffigem Industrial-Synthpop, monotonem Krautrock und New-Beat. Pawels Stimme ist absichtlich abweisend und emotionslos, er singt die Lieder in einem erfundenen deutschen Dialekt. Marzahns Musik besteht aus brummenden Perkussionen und synthetischen Soundscapes und steht dem "New York Noise" der späten 70er Jahre nahe. "Mincing hard-hitting beats from a sampler with filthy synth runs and a myriad live percussion sounds, it's a warped disco for outsiders and the bass claws at you and rumbles through your entire body when emanating from the speaker stack", so beschreibt Cai Trefor von Gigwise die Musik von Marzahn.

Marzahn tritt am 16. Mai 2020 auf dem Red Square Festival in der Kulturfabrik Moabit auf.

Webseite der Band Mahrzahn